“Der kompetente Umgang mit dem World Wide Web muss Gegenstand des Schulunterrichts werden”, fordert Professor Stefan Gradmann vom Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität Berlin anlässlich des 4. Leipziger Kongresses für Information und Bibliothek. Milliarden von Internet-Seiten halten Unmengen von Informationen vor. Das Wissen der Welt steht im Internet – könnte man meinen. Machen uns Google und Wikipedia also eher schlau oder ist das Gegenteil der Fall? “In Wikipedia oder Google finden Sie kein Wissen, sondern bestenfalls Informationen. Aber zu Wissen werden diese erst, wenn sie von Menschen in einen Kontext gestellt werden – das reine Ranking einer Google-Suche erzeugt noch kein Wissen. Diese Annahme ist grundfalsch,“ sagt Professor Gradmann. Die Schule sieht er derzeit keineswegs als Korrektiv. Selbst Lehrer wissen allzu oft nicht, wie sie mit dem Medium Internet umgehen sollen.
“Hier haben wir ein ganz massives Fortbildungsproblem. Wir täten gut daran, unseren Lehrern die Möglichkeit zu geben, etwas grundsätzlicher in diese neuen Wissenswelten einzutauchen”, so Gradmann weiter. Die meisten Lehrenden würden das Internet lediglich als elektrifizierte Variante traditioneller Kulturtechniken sehen. Die wenigsten hätten verstanden, dass sich hier etwas grundsätzlich zu verändern beginnt. In der Vermittlung von Informationskompetenz, also auch dem kompetenten Umgang mit dem Internet, sei der Schulunterricht – wo es solchen überhaupt gibt – doch sehr naiv.
Positiver stellt sich die Situation im Hochschulbereich dar. Vorreiter in der Vermittlung von Informationskompetenz sind hier die Hochschulbibliotheken. Dr. Wilfried Sühl-Strohmenger, Leiter des Informationsdienste-Dezernats an der Universitätsbibliothek Freiburg: “Die deutschen Hochschulbibliotheken haben erkannt, dass die Vermittlung von Informationskompetenz zu ihren neuen Kernaufgaben gehört. Sie sind bestrebt, ihre Lehrveranstaltungen auf diesem Sektor in möglichst vielen Fächern zu verankern, allerdings muss dies didaktisch fundiert und nach einheitlichen Standards geschehen.”
Sie suchen eine Bibliothek oder ein Medienzentrum in Ihrer Nähe? Sie möchten wissen, welche Institutionen in Ihrer Region Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Medienbereich anbieten? Über media|nrw, das Landesportal zum Medienstandort Nordrhein-Westfalen, können Sie sich jetzt schnell und zielgenau einen Überblick über Institutionen und Akteure verschaffen, die in der Medienbildung und Medienkompetenzförderungen in NRW aktiv sind.
Zusammen sorgen sie für ein nahezu flächendeckendes Angebot und eine inhaltlich vielfältige Medienkompetenzlandschaft. Auf der Website www.media.nrw.de im Bereich “Medienkompetenz” sind die ausgewählten Medienkompetenz-Akteure jetzt erstmalig auf einer interaktiven Karte abgebildet.
Mit der Medienkompetenzkarte NRW möchte die Landesregierung die Vielfalt und Vielzahl der hiesigen Medienkompetenz-Akteure aufzeigen. Frauke Jacobsen von der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen: “Ich freue mich, dass wir allen am Thema Medienbildung Interessierten mit dieser Karte einen weiteren Zugang zur Medienkompetenzförderung im Land bieten können. In Ergänzung zu vorhandenen inhaltsorientierten Suchmöglichkeiten erlaubt die Karte eine praktische geografische Orientierung.”
Die rund 260 Anlaufstationen aus ganz Nordrhein-Westfalen sind nach sieben Kategorien recherchierbar: Bibliotheken, Bürger-/ Kulturzentren, Bürgermedien (z. B. Offene Kanäle), Fort- und Weiterbildungsstätten, Institutionen/ Organisationen, Medienzentren, Verbände und Netzwerke sowie Volkshochschulen. Durch Anklicken einer Adresse oder eines beliebigen Datenpunktes in der Karte lässt sich mehr über den jeweiligen Akteur und sein Tätigkeitsfeld erfahren. Die Datenbank erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer weitere, bislang noch nicht auf der Karte verzeichnete Akteure aus der nordrhein-westfälischen Medien- und IT-Branche empfehlen möchte, kann seine Vorschläge über die integrierte Online-Meldestelle direkt an die Redaktion richten.
Die Medienkompetenz-Karte NRW ist ein Projekt der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit der Konzeption, Redaktion und Umsetzung wurde die ecmc Europäisches Zentrum für Medienkompetenz GmbH betraut.