“Von der neuen Bundesregierung erwarten wir eine Fortsetzung des bisherigen Engagements zugunsten der Hochschulen in den Ländern sowie eine zügige Umsetzung der hochschulpolitischen Ankündigungen. Auch nach der Föderalismusrefom hat der Bund eine aktive und hilfreiche hochschulpolitische Rolle gespielt. Diese Politik muss fortgesetzt werden. Insbesondere erwarten die Hochschulen, dass die beschlossenen Programme mit Bundesbeteiligung umgesetzt werden.” Dies erklärte HRK-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel heute in Bonn.

Ein attraktives Studienangebot auch bei wachsenden Studierendenzahlen und die Förderung einer Forschung an den Hochschulen müssten auf der Agenda ganz oben stehen. “Ich erwarte, dass die Bundesregierung in neuer Konstellation ihre Haushaltspolitik konsequent daran ausrichtet. Der Bund hat mit den beiden genannten Programmen sehr wichtige Pflöcke eingeschlagen. Zu deren Fortsetzung gibt es keine Alternative.”

“Wir brauchen auch neue Initiativen”, so Wintermantel. “Die soziale Situation der Studierenden ist nach wie vor nicht ausreichend gesichert. Das wirkt sich negativ auf Studienzeiten, Abbruchquoten und die grundsätzliche Neigung zu studieren aus. Das ist – ganz abgesehen von dem individuellen Recht auf Bildung – volkswirtschaftlich falsch. Das BAföG sollte daher endlich so erhöht werden, dass der Lebensunterhalt gesichert ist und alle Studierenden, die diese Unterstützung benötigen, sie auch bekommen.”

Besonders die FDP habe im Wahlkampf die Bedeutung von Bildung und Forschung betont. Als Regierungspartei sei sie nun gefordert, die geweckten Erwartungen zu erfüllen.

“Die Hochschulrektorenkonferenz wird nach einer hoffentlich zügigen Regierungsbildung sehr schnell das Gespräch mit den Parlamentariern und der neuen Bundesregierung suchen und die Interessen von Studierenden und Wissenschaftlern vehement vertreten. Die Hochschulen sind die Zentren des deutschen Wissenschaftssystems. Wir brauchen einen Bundestag und eine Bundesregierung, die sie bei dieser Aufgabe nach Kräften unterstützen.”

Studenten aus reichen Familien erhalten in Deutschland fast die gleiche finanzielle Unterstützung vom Staat wie bedürftige Hochschüler. Das geht nach Informationen der ZEIT aus einer bislang unveröffentlichten Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) hervor. Die Studie addiert sämtliche Beihilfen und Steuerleichterungen, mit denen der Staat Studierende und ihre Familien unterstützt. Danach erhält ein angehender Akademiker einfacher Herkunft laut HIS-Berechnung im Schnitt 5720 Euro im Jahr aus öffentlichen Kassen, unter anderem aus dem Bafög. Studenten aus vermögendem Haus kommen im Familienrahmen auf jährlich 5136 Euro, unter anderem über Ausbildungs- oder Unterhaltsfreibeträge für die Eltern.

Die international angelegte Studie vergleicht auch, auf welchen Wegen der Staat die akademische Ausbildung subventioniert. Dabei kommt heraus, dass die Studienfinanzierung in keinem anderen Land “so kompliziert und intransparent ist wie in Deutschland”, sagt HIS-Geschäftsführer Martin Leitner. Insbesondere die vielfältigen Unterstützungsleistungen an die Eltern der Studenten sind im internationalen Vergleich einzigartig. Insgesamt profitierten deutsche Studenten “weit mehr als in anderen Ländern von staatlichen Hilfen”, sagt die Leiterin der Studie Astrid Schwarzenberger. (ots)