Immer mehr Schulen leiden unter Notenangst und Leistungsstress, doch in Deutschland herrscht ein erheblicher Mangel an Schulpsychologen. Das berichtet das ARD-Magazin MONITOR. Der Redaktion liegt eine noch nicht veröffentlichte Studie des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) vor, nach der in Deutschland ein Schulpsychologe im Durchschnitt für über 16.500 Schüler zuständig ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt eine Obergrenze von 2.500 Schülern, für die ein Schulpsychologe bereit stehen sollte. “Wir wissen, dass etwa 20 Prozent der Schüler in Deutschland eine Betreuung bräuchten”, erklärt Klaus Seifried vom BDP gegenüber MONITOR. Tatsächlich könnten sich die Schulpsychologen in Deutschland in Großstädten um lediglich zwei bis drei Prozent und in Flächenstaaten sogar um nur 0,5 bis ein Prozent der Schüler kümmern.
Jeder fünfte Schüler zeige inzwischen mittlere bis schwere Auffälligkeiten wie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen, aggressives Verhalten, sozialen Rückzug und Kontaktängste. Im internationalen Vergleich ist Deutschland laut Studie bei der Versorgung mit Schulpsychologen europäisches Schlusslicht. So würden in Russland etwa 600 Schüler von einem Schulpsychologen betreut, in Italien seien es sogar weniger als 500. (ots)
Mehr als die Hälfte der deutschen Studenten muss wöchentlich zwischen fünf und 20 Stunden arbeiten gehen, um sich ihr Studium zu finanzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Darmstädter Beratungsunternehmens univativ und der Commerzbank. Dafür befragten sie knapp 1.000 Studenten an 23 Hochschulen über ihre finanzielle Situation, ihren Lebensstil und ihre Einschätzung zur beruflichen Situation nach dem Studium.
Nur ein Viertel der Befragten gaben an, es sich leisten zu können, gar nicht arbeiten zu müssen, da sie genügend Geld von ihren Eltern, BAFöG, Stipendien oder Darlehen erhalten. Die weitaus größere Zahl muss sich jedoch Geld dazuverdienen. Dabei geben Studentinnen vor allem für Klamotten und Urlaub ihr Geld aus – ihre männlichen Kommilitonen hingegen für Computer und Handys. Gleich viel fließt hingegen ins Feiern. Fünf Prozent aller Studenten wurden als Workaholics eingestuft, die wöchentlich mehr als 20 Stunden arbeiten gehen. “Das Curriculum lässt zu Beginn eines Studiums wenig Luft, deshalb finden sich viele dieser Vielarbeiter in den höheren Semestern. Hinzu kommt, dass der akademische Nachwuchs mit zunehmender Studiendauer über mehr Know-how verfügt und somit als Arbeitskraft für die Unternehmen interessanter wird”, erklärt Olaf Kempin, einer von drei Geschäftsführern von univativ.
Ein weiterer Grund dafür, dass mit zunehmenden Alter mehr gearbeitet wird, sei, dass viele Eltern ihren Sprösslingen von Semester zu Semester den Geldhahn etwas mehr zudrehen. Die Forscher fanden in ihrer Befragung heraus, dass zum Ende des zehnten Semesters die Unterstützung im Durchschnitt um mehr als die Hälfte gekappt wird. “Der Druck auf den akademischen Nachwuchs wächst, seinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, was sich in einer steigenden Wochenarbeitszeit parallel zum Studium widerspiegelt”, so univativ.
Als Motivation für den Studentenjob steht Geld erst an zweiter Stelle und wird mit 55 Prozent der Nennungen nur geringfügig bedeutender eingeschätzt als der mögliche Einstieg in ein Unternehmen über einen Studentenjob. Dieser Sprungbrett-Aspekt gewinnt vor allem gegen Ende des Studiums an Gewicht. Bei Studentenjobs kommt es dem akademischen Nachwuchs vor allem darauf an, Erfahrungen in der Praxis zu sammeln (73 Prozent). Dieser Aspekt ist besonders bedeutend vor dem Hintergrund, dass 68 Prozent der Studenten sehr konkrete Vorstellungen davon haben, in welchem Umfeld sie nach Abschluss des Studiums arbeiten wollen – und zwar unabhängig davon, ob sie parallel zum Studium arbeiten oder nicht. Von daher muss es nicht verwundern, dass nicht Kellner- sondern Bürojobs die beliebtesten Nebentätigkeiten sind.
Gut die Hälfte der Studenten hat kein Problem, Job und Studium unter einen Hut zu bringen. “Unsere Erfahrung ist, dass Studenten, die erfolgreich Projekte in Unternehmen stemmen, auch ihr Studium zügig zum Abschluss bringen”, ergänzt Kempin. Das geht besonders gut, wenn man die Semesterferien nutzt, um Praxisluft zu schnuppern, wie es 51 Prozent der Studenten tun. (pte)